Theater

Fachkreise sind sich weitgehend einig, dass Schlüsselkompetenzen wie Teamgeist, Kooperationsbereitschaft und soziale Kompetenz besonders durch gemeinsame künstlerische Aktionen gestärkt werden. Der eigene kreative Ausdruck befähigt die Kinder ganz unmittelbar, Alltagserlebnisse zu be- und verarbeiten und die eigene Umgebung mitzugestalten.

Wer die persönliche Kreativität stärkt, führt die Kinder zu neuen und positiven Erfahrungen. Selbstwahrnehmung, Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein werden gefördert. Zudem lernen die Kinder, in einer Gruppe zu handeln. »Kulturelle Bildung muss als Grundlage einer ausgewogenen kognitiven, emotionalen, ästhetischen und sozialen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen begriffen werden«, heißt es in der Seoul-Agenda. Diese haben Experten aus 120 Staaten als Abschluss der zweiten UNESCO-Weltkonferenz zur kulturellen Bildung 2010 verabschiedet.

 

Wo die wilden Wesen wohnen

Seit der zweiten Projektphase integriert Kita & Co theaterpädagogische Ansätze. In der zweiten Projektphase startete ein umfangreiches Theaterprojekt. Zunächst sammelte eine Gruppe von Fachkräften eigene Theatererfahrungen. "Wo die wilden Wesen wohnen" wurde abschließend vor Publikum gezeigt, in dem auch Kinder saßen, die die Fachkräfte aus den Einrichtungen kennen.

Mit Christel Brüning leitete eine erfahrene Theaterpädagogin und Regisseurin den Prozess. Bei ihr lernten die Fachkräfte neue Methoden und erfuhren, wie es sich anfühlt, auf einer Bühne zu stehen. Wertvolle Erfahrungen, die sie an die Kinder in den Einrichtungen weitergaben. Teil des Projektes war es, dass alle Teilnehmenden anschließend ein eigenges Theaterprojekt in ihren Einrichtungen starteten, begleitet und gecoacht von Christel Brüning. Nach einem halben Jahr Probenzeit mitten im Kitaalltag zeigen die Kinder ihr Stücke. Sie sind bunt geworden, spielen drinnen oder draußen, vermitteln jede Menge Freude und begeistern das Publikum.

 

Ab in die Tonne

»Die große Nein-Tonne« der Osnabrücker Theaterwerkstatt bereitet Kinder darauf vor, sich mit sexualisierter Gewalt auseinanderzusetzen. Und es unterstützt sie schon sehr früh, ihre eigenen Gefühle zu zeigen und ernst zu nehmen. Wer sagen kann, was unerwünscht ist oder Angst macht, lernt zugleich, Dinge und Situationen zu benennen, die schön sind. Das Stück und die Auseinandersetzung damit vermittelt eine lebensbejahende Botschaft und die Bereitschaft, sich diesem selbstsicher zu stellen.

In einer Sichtveranstaltung konnten sich die Kindertageseinrichtungen und Grundschulen informieren und anschließend das Stück über Kita & Co buchen. Insgesamt 19 durch Kita & Co organisierte Aufführungen
des Stückes fanden 2014 statt.

Spielerisch eine Sprache lernen

Kita & Co entwickelt und ermöglicht Sprachcamps für Einschulkinder. Am Ende der zweiwöchigen Camps steht jeweils die Aufführung eines Theaterstücks. »Wir entwickeln mit den Kindern ein Theaterstück, dabei helfen uns Sprach- und Lauschspiele, Reime, Bilderrätsel und Zungenbrecher. Eben alles, was die Kinder unterstützt, lesen und auch schreiben zu lernen«, erklärt der Theaterpädagoge Sven Werneke. Erstmals fanden Sprachcamps in den Sommerferien 2012 statt. Kita & Co fördert dabei ganz gezielt den Spracherwerb bei Kindern, die eine andere Muttersprache haben.

Die Kinder erhalten eine sehr intensive ganztägige Betreuung durch mehrere Fachkräfte, darunter Theater-, Sprach- und Freizeitpädagogen. Das inhaltliche Konzept basiert auf der spielerischen Vermittlung von Sprache. »Die bisherigen Camps haben gezeigt, dass Kinder mit einer intensiven Betreuung schnell Fortschritte bei ihrer Sprachentwicklung machen«, sagt Christina Altenbernd, Projektleiterin von Kita & Co. Die Camps hatten auch einen positiven Nebeneffekt: Viele Kinder lernen die Grundschulen kennen, in die sie kurze Zeit später wechseln. 

Auch in den anderen Projekten arbeitet Kita & Co mit theatralen Elementen, so etwa bei den Kindermusicals.

»Kinder machen in der Auseinandersetzung mit Kunst die manchmal überraschende Erfahrung, dass das kreative Verlassen eingefahrener Wege, die Freude am spontanen, schöpferischen Erproben neuer Möglichkeiten nicht nur im Schulfach Kunst, sondern auch beispielsweise in der Mathematik erlebt werden kann. Wenn im Rahmen eines KUNST-Tages zum Beispiel geometrische Formen thematisiert werden, sieht das Kind mathematische Themen von einer ganz anderen Seite. Es entdeckt und erfährt, dass kreative Lösungen in allen schulischen Bereichen und im Leben überhaupt Erfolge und Erfolgserlebnisse ermöglichen. So wirkt sich Kunst positiv auch auf das Arbeiten in anderen Fächern aus.« Christa Kreibohm, ehemalige Leiterin der Grundschule Bustedt in Bünde