Gelöste Stimmung bei siebter Lernparty (15.12.2013)

Zum siebten Mal führte Kita & Co eine Lernparty durch. In diesem bildeten zwei Musikangebote einen kleinen Schwerpunkt unter den fünf Fachforen für die Fachkräfte der an Kita & Co beteiligten Kindertagesstätten und Grundschulen aus dem Kreis Herford.

"Ein Problem gelöst, zwei neue geschaffen“, nennt Dietmar Sahrhage sein Fachforum. Das klingt deprimierend und wenig zielführend, soll aber lediglich beschreiben, dass viele Menschen im Leben den Eindruck haben, eine gerade gefundene Lösung ziehe neue Probleme nach sich.

Der Sozialpädagoge und systemische Familienberater hingegen arbeitet auf Lösungen hin. Er lenkt den Blick der auf der Lernparty anwesenden Fachkräften aus Kindertagesstätten und Grundschulen auf ihre Kompetenzen und ihre Kreativität. In der systemischen Arbeit gäbe es keine Probleme, nur gescheitere Lösungsversuche, sagt er. Die Teilnehmenden in seinem Kita & Co-Fachforum fordert er auf, als Gruppe auf vier großen Stücken weißem Papier, welche auf dem Boden liegend Eisschollen symbolisieren, zu überleben. Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Eisschollen alle einmal gewendet werden müssen, selbstverständlich, ohne dass die Gruppe ins eiskalte Wasser tritt oder fällt. Es gelingt, den Teilnehmenden fällt bei dieser Übung eine gemeinsame Lösung ein.

Die siebte Lernparty war auch in diesem Jahr die ideale Lösung, um einen eigentlich arbeitsfreien Samstag perfekt zu gestalten. Kita & Co lädt jährlich zu einem solchen Fortbildungstag. Wie in den vergangenen Jahren auch ist das Kreishaus gut gefüllt mit 110 Teilnehmenden aus 72 Kitas und Grundschulen aus dem Kreis Herford, die sich an Kita und Co beteiligen.

Die fünf Fachforen bieten unterschiedliche Schwerpunkte: Die Teilnehmenden können wählen zwischen aktivierenden Angeboten und den Themen Beratung, Diagnostik und Leitung. „Einen kleinen Musikschwerpunkt“ hat Christina Altenbernd, Projektmanagerin von Kita & Co, in diesem Jahr ausgemacht. Gleich zwei Fachforen kümmern sich um die musikalische Bildung.

Aus Sälen werden Labore

Da werden aus Sälen, in denen normalerweise Politiker und Verwaltungsexperten durchaus schon mal kontrovers an einer richtigen Strategie werkeln, Werkstätten des harmonischen Klangs. Peter Ausländer richtet mit seinem Team ein Labor ein, dass zu „Grundphänomenen der Schallentstehung“ forscht, wie es der Leiter Studienschwerpunkts Musikalische Bildung an der Fachhochschule Bielefeld ausdrückt. Aus Strohhalmen entstehen kleine Blasinstrumente. Ein Ton kommt schon, aber nicht genug. Während Peter Ausländer weiter bläst, kürzt er den Strohhalm mit der Schere Stück für Stück. Eine Tonleiter entsteht.

Anderswo im Raum bohren Teilnehmende Löcher in einen Strohhalm. Einfach soll es sein, so dass Kinder ihre Instrumente selber bauen können, die Materialien günstig und alltäglich. Die Teilnehmenden sind begeistert von so vielen guten Ideen, sie sägen und feilen und probieren mangels anwesender Kinder selber aus. Aus dem Strohhalm mit den Löchern wird das Mundstück eines Kunststoffrohres, und schon klingt es wie eine Trompete.

Der Beat, der eine Geschichte erzählt

Eine Etage darüber werden den filigranen Selbstbauinstrumenten des Klanglabors die geerdeten Bassschläge verpasst. Der Rhythmus steht im Vordergrund des Fachforums Trommeln und Sprachförderung. Im Raum sitzen gut 20 Fachkräfte, hören zu, schlagen selber, der Dialog läuft über die kniehohen Djembes, die Hans Schneider mitgebracht hat. Er führt in Bad Salzuflen ein Musikgeschäft, das sich auf Trommelwerk spezialisiert hat und bietet Kurse dazu an. Zuvor hat er viele Jahre in Afrika gelebt, dort „die Energie und Lebensfreude gespürt“, wie er erzählt. Er beherrscht die Perkussion perfekt. Erstaunlich schnell lernen die Fachkräfte bei ihm, einen Rhythmus zu halten. Sie lassen sich auch nicht irritieren, als Hans Schneider gegenläufige Töne einschlägt. Ist der Beat etabliert, kommt eine Geschichte dazu. Hans Schneider erzählt, wie ein Affe gerettet wird, es ist eine wilde Aktion im Urwald. Die Musik der Trommeln begleitet dramatisch.

Wesentlich ruhiger geht es bei Dagmar Hernicker zu. Die Abteilungsleiterin der Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder des Kreises Herford vermittelt diagnostische Möglichkeiten, um die Fähigkeiten der Kinder möglichst frühzeitig zu erkennen. Sie stellt eine ganze Reihe von Verfahren vor und gibt den Teilnehmenden auch Raum, eigene Erfahrungen zu machen. „Kinder, Eltern und Erzieher haben die Aufgabe, das Kind gemeinsam zur Schulfähigkeit zu führen“, sagt sie. Besondere Aufmerksamkeit richtet sie auf die Schuleingangsdiagnostik. Die ist für lernschwächere Kinder eine echte Hürde. Um dies deutlich zu machen, nutzt die erfahrende Beraterin eine Übung, die den Erwachsenen deutlich machen soll, mit welchen Schwierigkeiten Kinder bei der Schuleingangsdiagnostik zu kämpfen haben. Jeweils zu zweit besteht die Aufgabe darin, eine Figur auf ein Blatt zu zeichnen, allerdings kann das Gezeichnete nur über einen Spiegel gesehen werden, den die Partnerin hält.

In einem anderen Raum bietet Plus-Training aus Bielefeld ein Seminar für Führungskräfte an, mit dem passenden Titel „Lust und Last des Leitens“. Im Mittelpunkt des Forums steht der Mensch hinter der Führungsposition. Die Rollen, die es auszufüllen gibt, werden genauer beleuchtet. Ganz praktisch werden gemeinsam Situationen des Alltags besprochen und Vorschläge gemacht, wie diese besser zu bewältigten sind. Tipps wie „früh da sein“ oder „To Do Listen“ sortieren gehören dazu. Wie im Fachforum von Dieter Sahrhage auch geht es darum, zu entscheiden und letztlich zu lösen, allerdings in der Regel nicht gemeinsam sondern aus einer hervorgehobenen Position heraus.

Die Mittagspause unterbricht sämtliche Gedanken- und Musikströme, der Appetit ist prächtig, die Kommunikation gedeiht, die Lust steht eindeutig im Vordergrund. Das Küchenteam des Kreishauses hat für ein leckeres Büffet im Foyer gesorgt und sich schließlich auch um das süße Ende zum Abschluss der Lernparty gekümmert. So bleibt auch die siebte Lernparty in wohliger Erinnerung.

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